Unterwegs mit älteren Menschen

07.06.2012

«Wir verbrachten fünf lehrreiche und erfüllende Tage in Derendingen.» In der hauseigenen Cafeteria «Tharad» treffe ich Marco Walker aus Zuchwil in seiner «Dienstbekleidung» an – oranges T-Shirt und Jeans. Ausserhalb des Zivilschutzes arbeitet er als Mechaniker in einer Montageabteilung. Dieser Einsatz in der Woche vom 21. Mai 2012 war bereits sein dritter im Alters- und Pflegeheim Derendingen, den er als einer von fünf Betreuern der Zivilschutzorganisation Zuchwil-Luterbach absolvierte.

 

«Diese Einsätze sind bei den Zivilschützern sowie bei den Heimbewohnerinnen und –bewohnern sehr beliebt.» Geprägt von einer friedlichen Atmosphäre mit ständigem Austausch von Geschichten über damals und heute, geniessen ältere und jüngere Menschen die gemeinsame Zeit – für beide Generationen eine willkommene Abwechslung zu ihrem «normalen» Alltag.

 

«Pflegearbeiten übernehmen wir keine, wir betreuen und begleiten nur.» Und bei diesem abwechslungsreichen Programm gab es einiges zu betreuen. Die Dienstantrittszeit variierte täglich, je nach Programm und Wetter. Der Wochenplan zeigt alle Aktivitäten schwarz auf weiss: Nach der Begrüssung am Montagmorgen ging es gleich nach dem Mittag auf den Flugplatz Grenchen und am Dienstag zum Jakobsmarkt. Am Mittwoch in den Seeteufel in Studen – auf einen Ausflug an den Bielersee musste aufgrund des unsicheren Wetters verzichtet werden – und am Donnerstag zum Stadtbummel in Solothurn – immer nachmittags. Am Mittwochmorgen entführte ein Besuch auf dem Gemüse- und Blumenmarkt in Solothurn in eine Welt voller vertrauter Eindrücke – ein sinnliches Abenteuer für Augen und Nase.

 

«Wir haben Glück, dass wir über ein Fahrzeug verfügen, das auch Bewohnerinnen und Bewohner transportieren kann, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.» Angela Piscitelli, Fachfrau Aktivierung und Alltagsgestaltung, hat das abwechslungsreiche Programm zusammengestellt. «So viele Aktivitäten sind nicht üblich, obschon wir auch recht viel unternehmen, wenn keine Zivilschützer mithelfen. Dann müssen wir jedoch auf freiwillige Mitarbeiter/-innen zurückgreifen – ohne geht es nicht. Diese Woche werden diese etwas geschont.» Die Antwort auf die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder auf den Einsatz der Zivilschützer zählen möchte, liess keine Zweifel offen: «Möglicherweise wird das Programm etwas weniger gedrängt ausfallen. Die Vorbereitungen waren aufwändig, haben sich aber bezahlt gemacht. Auch die Bewohnerinnen, noch mehr aber die Bewohner, begrüssen die Anwesenheit der jungen Männer sehr.» Im Hintergrund stimmt ein Heimbewohner kopfnickend zu. Und Angela Piscitelli fügt hinzu: «Die Begegnungen von Zivilschützern und Bewohner/-innen findet auf einer ganz anderen Ebene statt, wie wir sie vom Pflegepersonal nicht bieten können.»

 

«Am Morgen wurde gespielt oder geredet – oder beides zusammen.» Brettspiele sind sehr beliebt. Oder ein Spaziergang an der frischen Luft, mit oder ohne Rollstuhl, rund um das Altersheim oder ein bisschen weiter. Und immer wieder werden Geschichten erzählt oder einfach aus dem Heimalltag geplaudert. Auch Mahlzeiten haben Marco Walker und die anderen Zivilschützer einige serviert. Und sonst gingen sie einfach zur Hand, wo sie konnten. «Der Zugang zu den Bewohnerinnen und Bewohnern war kein Problem – das gegenseitige Vertrauen war sofort da.» Jeder der fünf Zivilschützer brachte die Erfahrung von mindestens einem solchen Einsatz mit, einige hatten bereits zwei oder sogar drei Dienste im Altersheim absolviert.

 

Am Freitagnachmittag findet eine kurze Feedbackrunde statt. Die vergangenen Tage werden besprochen und ausgewertet. Im Anschluss verfahren die Zivilschützer wieder nach Wochenplan: «Feierabenddrink im Höfli» steht unten rechts. In gemeinsamer Runde beim monatlichen «Fürobebier» für alle Bewohnerinnen und Bewohner findet die gemeinsame Zeit ein würdiges Ende – zumindest bis nächstes Jahr.

 

Christian Tschui, Chef Info

Zurück