Ein WK im Namen der Sicherheit

07.09.2018

Über 100 Zivilschützer nahmen am diesjährigen Wiederholungskurs im September teil. Im Fokus stand dabei die ehemalige Abwasserreinigungsanlage im Attisholz-Süd in der Gemeinde Luterbach. Pioniere, Betreuer und auch die neu ins Leben gerufene, aus Pionieren bestehende Tiefenrettung übten sich in ihren jeweiligen Aufgabenbereichen und erfüllten gleichzeitig ein Auftrag des Kantons.


Lange Zeit stand sie still, die Abwasserreinigungsanlage. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wurde schon vor geraumer Zeit weggebracht. Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass sich die Natur das Areal bereits zurückholt. Gräser, einzelne Büsche und Spinnweben zeugen davon. Doch die damit assoziierte Ruhe sucht man vergebens.

 

Unüberhörbares Getöse dringt ins Ohr, so, dass man unweigerlich in die Richtung schaut, in der man den Urheber des Lärms vermutet. In einem der Räume, wo früher der Unrat der Zivilisation sich langsam zersetzte, findet man mehrere Zivilschutzsoldaten. Mittels Abbruchhammer, der durch einen Generator mit Strom versorgt wird, sind ein paar Rettungspioniere daran, eine dreieckförmige Betonstruktur zu zerlegen, die von einem Ende der Räumlichkeit zur anderen verläuft. In einem anderen Raum muss zuerst angesammeltes Regenwasser abgepumpt werden, bevor dutzende, am Boden befestigte, runde Kunststoffteller demontiert und heraustransportiert werden können. Nebenan werden Chromstahlinstallationen durchtrennt und abgeführt. Das Ziel: Die Almeta Recycling AG.

 

Der Zivilschutz Zuchwil-Luterbach hat vom Kanton Solothurn den Auftrag erhalten, in diesem Areal verschiedene Installationen herauszutrennen wie Florian Stadler, Zugführer Unterstützung und Verantwortlicher für diesen Einsatz, konstatiert. «Das Ziel dabei ist, die Pioniere mit der Handhabung der vorhandenen Geräte vertraut zu machen, bei gleichzeitig sinnvoller Arbeit.» Somit können während des WKs Synergien effizient genutzt werden, indem der Ausbildungsauftrag mit einem Arbeitsauftrag kombiniert wird. Dadurch steigert sich auch die Motivation der Zivilschutzsoldaten.

 

Nimmt man aber das Areal genauer unter die Lupe, erkennt man die grösste Herausforderung dieses WKs: Das Sicherheitsrisiko! Scharfe Kanten, abgesägte Rohre, herausstehende Nägel und Schrauben; und nicht zuletzt vier Meter tiefe Becken. Damit Zwischenfälle vermieden werden können, ist auch eine gute Vorbereitung wie auch Umsetzung unabdingbar: «Die Sicherheitsrisiken sind enorm. Diese zu minimieren ist anspruchsvoll gewesen», meint Florian Stadler weiter. Dafür wurde zusätzlich eine Person bestimmt, die während dem Einsatz als Sicherheitsbeauftragte fungiert.

 

Dieses Gefahrenpotential hat auch Lars Hummel, Zugführer Betreuung erkannt und die Möglichkeit genutzt, an einem solchen Ort den WK durchzuführen: «Wir stehen hier auf einem Terrain, wie es im Ernstfall aussehen könnte. Das macht die Übung anspruchsvoller und auch die Logistik ist schwieriger zu bewerkstelligen; sprich die Koordination von Material, Personen und Verpflegung.» Das bestätigt auch Sascha Kneubühler, der sich für die Logistik verantwortlich zeichnet. «Alles muss aufeinander abgestimmt sein, damit alles reibungslos abläuft und es zu keinen Wartezeiten kommt».

 

Für den Einsatz ist von den Betreuern ein Rettungszelt aufgestellt worden, das vom Ausbildungs- und Kompetenzzentrum (Ziko) zur Verfügung gestellt wurde, welches auch im Ernstfall angefordert werden kann. «Bis zu hundert Verletzte können darin betreut werden», fügt Lars Hummel hinzu.

 

Die Pioniere mit der Zusatzausbildung für die Rettung von verschütteten Personen aus der Tiefe haben gleichzeitig eine auf ihre Fähigkeiten ausgerichtete Übung durchgeführt. «Für uns ist dieses schwierige Gelände ideal, um unser Wissen zu festigen», ist sich Gruppenführer Sven Kirchhofer bewusst. Der richtige Umgang mit dem Material und die Überprüfung vor jedem Einsatz ist unentbehrlich, denn die Sicherheitsrisiken bei einer unsachgemässen Verwendung der Ausrüstung sind nicht zu vernachlässigen.

 

Übrigens: Aus der alten Abwasserreinigungsanalage wird ein Naherholungsgebiet entstehen, umsäumt von den noch existierenden alten Mauern. Bereits jetzt sind die verschiedenen Klärbecken miteinander verbunden. Was bereits begonnen hat - wie eingangs erwähnt - wird letzten Endes Bestand haben. Die Natur holt sich ein Teil der Industriebrache zurück; mit Hilfe des Zivilschutzes.

 

Jan Laubscher
Chef Info


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